Alexandras Weg im Wing Tsun ist eine Geschichte von Pioniergeist, Konsequenz und dem Mut, Räume zu betreten, in denen Frauen damals noch selten sichtbar waren. Was in den 1980er-Jahren als intensives Training unter Sifu Thomas Mannes begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer internationalen Lehrtätigkeit – getragen von einer tiefen Verbundenheit mit der Leung Ting / Yip Man Lineage des Wing Chun und der Bereitschaft, Wissen weltweit zu teilen.
Anfänge in den 80ern: Wing Tsun als prägende Schule
In den 1980er-Jahren fand Alexandra über Sifu Thomas Mannes ihren Zugang zum Wing Tsun. Diese Zeit war für viele Praktizierende eine Phase, in der das System in Europa stark wuchs – geprägt von harter Grundlagenarbeit, vielen Wiederholungen und dem Aufbau von Struktur, Timing und Gefühl. Alexandra legte in diesen Jahren das Fundament: Disziplin im Training, Klarheit in den Prinzipien und die Fähigkeit, Technik nicht nur „auszuführen“, sondern zu verstehen.
Wer so beginnt, lernt früh, dass Wing Tsun weniger aus „Tricks“ besteht, sondern aus wiederkehrenden Prinzipien: Ökonomie der Bewegung, Geradlinigkeit, das Arbeiten entlang der Mittellinie und das ständige Anpassen an Druck und Distanz. Genau diese Prinzipien prägten Alexandras späteren Unterrichtsstil – präzise, praxisorientiert und doch offen für Nuancen.
Die 90er: Eine der ersten weiblichen Sifus in der Leung Ting / Yip Man Lineage
In den 1990er-Jahren trat Alexandra als eine der ersten weiblichen Sifus in Erscheinung – ein Schritt, der damals nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Durchsetzungsvermögen erforderte. In einer Szene, die lange von männlichen Vorbildern dominiert war, wurde sie zu einer sichtbaren Referenz dafür, dass Autorität im Wing Chun nicht an Geschlecht gebunden ist, sondern an Können, Erfahrung und didaktische Stärke.
Die Einbettung in die Leung Ting / Yip Man Lineage war dabei mehr als ein Namenszusatz: Sie steht für eine Tradition, die Wert auf systematischen Aufbau, Struktur im Training und die Weitergabe klarer Konzepte legt. Alexandra verband diese Linie mit ihrer eigenen Persönlichkeit – und wurde so für viele zu einer Lehrerin, die sowohl die klassische Tiefe als auch die moderne Vermittlung beherrscht.
International unterwegs: Seminare, Workshops und Wissensaustausch
Mit der wachsenden Erfahrung weitete Alexandra ihre Arbeit zunehmend international aus. Seminare und Workshops wurden zu einem zentralen Teil ihres Wirkens – nicht als „Show“, sondern als Plattform für konzentriertes Lernen: Feinheiten in Chi Sao, Anwendung unter Druck, Timing- und Distanzarbeit sowie das Übersetzen traditioneller Formen in funktionale Prinzipien.
Gerade auf Seminaren zeigt sich, wer wirklich unterrichten kann: Menschen aus unterschiedlichen Schulen, Hintergründen und Trainingskulturen kommen zusammen, und innerhalb kurzer Zeit muss Unterricht verständlich, präzise und wirksam sein. Alexandra machte sich in diesem Umfeld einen Namen – durch klare Struktur, ruhige Autorität und die Fähigkeit, Teilnehmende dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
Zusammenarbeit und Impulse: u.a. mit Sifu Emin Boztepe
Zu den prägenden Begegnungen und Impulsen zählten auch weltweite Seminare und Workshops, u.a. mit Sifu Emin Boztepe. Solche Konstellationen stehen häufig für intensiven Austausch: verschiedene Perspektiven auf denselben Kern, unterschiedliche Schwerpunkte in Anwendung, Training und Methodik – und am Ende die gemeinsame Frage, wie sich Wing Chun in der Realität bewährt.
Alexandra nahm diese Impulse nicht nur „mit“, sondern integrierte sie: als Weiterentwicklung des eigenen Trainings, als Schärfung des Blicks für Details und als Bestätigung, dass echtes Können immer wieder an der Praxis gemessen wird.
Bis heute: Kontinuität, Entwicklung und eine klare Haltung
Was Alexandras Weg besonders macht, ist die Kontinuität. Über Jahrzehnte am System zu bleiben, bedeutet, immer wieder zurück zu den Grundlagen zu gehen – und zugleich offen zu sein für Entwicklung. Bis heute steht ihre Arbeit für eine Haltung, die in der Kampfkunst selten geworden ist: ernsthaft, respektvoll gegenüber der Linie, aber nie dogmatisch; anspruchsvoll, aber nicht elitär; technisch präzise, ohne die menschliche Seite des Lernens zu verlieren.
Alexandra ist damit nicht nur eine Vertreterin einer Tradition, sondern ein Beispiel dafür, wie Tradition lebendig bleibt: durch Training, durch Unterricht und durch den Mut, das Gelernte in immer neuen Kontexten zu prüfen – in der eigenen Halle, auf internationalen Matten und in Begegnungen, die Wing Tsun zu dem machen, was es im besten Fall ist: ein Weg.
Kurzprofil (auf einen Blick)
- Einstieg: 1980er-Jahre Wing Tsun, Training unter Sifu Thomas Mannes
- 1990er-Jahre: eine der ersten weiblichen Sifus in der Leung Ting / Yip Man Lineage des Wing Chun
- Tätigkeit: internationale Seminare & Workshops
- Austausch: u.a. Seminare/Workshops mit Sifu Emin Boztepe
- Fokus: Prinzipien, Anwendung, strukturierter Unterricht, kontinuierliche Weiterentwicklung






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